Sun Worship – Pale Dawn

SUN WORSHIP zählen für mich zu den besten und spannendsten Black Metal Bands aus Deutschland. Bisher war jede Veröffentlichung der Band ein kleines Kunstwerk, hat unglaublich intensive und packende Momente und kann zudem immer wieder mit interessanten neuen Aspekten überraschen. So ist “Pale Dawn” auch wieder eine kleine Überraschung nach dem letzten Full-Length “Elder Giants”.

Zugegebenermaßen brauchte ich für das erste Album etwas mehr Zeit. Anfangs fand ich “Elder Giants” nicht so zugänglich, wie die zuvorgegangenen EPs und Splits. “Pale Dawn” zündet direkter, ist wieder etwas von der mürbenden Monotonie abgewichen und zeigt über die vier Songs alle Aspekte, die SUN WORSHIP ausmachen. Und beweist im Gesamtbild: Das Berliner Power-Trio hat seinen eigenen Trademark-Sound gefunden! Mehr als einmal erkennt man die deutliche Handschrift in den Riffs, den Songstrukturen und Ideen wieder. Sowohl Band wie auch das jüngste Werk haben ihre Eigenständigkeit und Prägnanz gefestigt.

Prinzipiell fährt “Pale Dawn” ein unglaublich schnelles Grundtempo. Bis auf wenige Ausnahmen dominieren Blastbeats die 36 Minuten des Albums. Und selbst wenn es schon mal etwas langsamer wird, donnert die Doublebass immer noch wahnsinnig fix. Nur selten gibt es langsamere Momente. Diese dann aber so geschickt eingesetzt, dass die eh schon majestätischen Gitarren-Linien sich noch besser entfalten können, polyphon verspielt einander umgarnen und eine intensive Atmosphäre erschaffen.

Dabei ist die emotionale Palette über das ganze Album breit gefächert. Transzendentale Verträumtheit, klirrende Kälte, mürbend-monotone Verzweiflung, garstiger Hass. Immer voller Energie und immer im Fluss. “Pale Dawn” kennt kein binäres Schwarz und Weiß. Vielmehr entwickeln sich die Emotionen wie die Songs selber fließen.

Am besten Illustriert wohl “Perihelion” diese Reise. Das Hohe Tempo wird zuweilen durch noch schnelleres Geballer in abartigen Hass verwandelt. Die Breaks sind tödlich präzise gesetzt. Die Harmonie-Auflösung deutet Katharsis an, welche aber durch den eher resignierten Klargesang aufgehoben wird. Doch zum Schluss erlauben sich die Melodien doch wieder so etwas wie Hoffnung. Ein absolutes Meisterwerk, dieser Song.

Ähnlich, wenn auch nicht in dieser umfassenden Extremität, bieten auch die anderen drei Lieder einiges zu entdecken. Seien es die extrem genialen Riffs und fiesen Wendungen in “Lichtenberg Figures” oder die extrem gute Atmosphäre aus dem Titeltrack. Selbst “Naiad”, das wieder mehr mit repetitiver Monotonie arbeitet, und somit etwas hinter den anderen Liedern steht, hat unglaubliche Kälte und geschickt gesetzte Auflösungen.

“Pale Dawn” ist ein wunderschönes Album. Es zündet direkt, lässt dennoch viel zu entdecken. Es ist eine Reise durch unterschiedliche, immer intensive Emotionen. Und es zeigt beeindruckend: SUN WORSHIP haben ihren Sound gefunden. Definitiv eine dicke Empfehlung!

Die Vinyl-Ausgabe kommt auf 180g schwerer Platte, die in einem ziemlich dicken Sleeve steckt. Leicht größer als normale LP-Hüllen, sind Logo und Albumtitel mit Goldfolie aufgedruckt. Dazu gibt es ein einfaches, aber ästhetisch schön gestaltetes Textblatt und einen Download-Code. Die schwere Aufmachung hebt natürlich auch den Preis. Doch sind die 17 Euro, die das Label für die schwarze LP verlangt, immer noch angemessen. Ich finde nur, dass man die Schallplatte nur schwergängig aus dem dicken Karton raus und wieder rein bekommt. Aber das ist an dieser Stelle eher Nebensache…

(Golden Antenna Records – 2016)

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