Fvnerals – Wounds

Für mich sind FVNERALS ein dicker Geheimtipp. Bisher wusste ich nichts um die Band aus Glasgow und muss mich nun umgehend genauer mit ihrem bisherigen Schaffen auseinandersetzen. Leider umfasst dies lediglich zwei EPs und das Debüt-Album “The Light” von vor zwei Jahren. Doch dank der Intensität von “Wounds”, kann alleine dieses Album noch für viele Stunden Hörvergnügen sorgen.

Dabei ist “Vergnügen” wohl relativ. “Wounds” ist ein düsteres, beklemmendes Album. Stellenweise gar zermürbend zäh. Tonnenschwer und voller minimalstischer Repetition. Als Kontrast stehen wenige fragile Momente, ruhig, stellenweise begleitet von Klavier oder Ambient-artigen Klangkulissen. Momente der Hoffnung werden allerdings lediglich angedeutet. “Wounds” ist ein schwermütiges und unheilvolles Album. Doch in diesen Attributen verzücken FVNERALS vollkommen!

Band wie Album lassen sich nur schwer in eine spezifische Schublade stecken. Gelegentlich erinnert mich der Gesang von Tiffany Ström an düsteren und verruchten Jazz. Doch im nächsten Moment klingen die Linien auch wieder sepulkraler, gar spirituell. Die passende Orchestrierung hat gleichermaßen geringfügige Einflüsse aus dem Jazz, gerade im Drumming. Doch primär steht schleppendster Doom im Vordergrund. Mal mit extremen Anleihen aus dem Drone, mal eher mit diesem Doom-Folk-Charakter, einer Chelsea Wolfe nicht ganz fern. Dazu einige Momente aus dem Ambient oder eben eine krasse Reduktion auf getragene Akkorde. Egal ob von Gitarre, Klavier oder Orgel. Oder auch manchmal nur von undefinierbaren Klangwänden.

Die größte Bedrohlichkeit verströmen FVNERALS dabei durch ihre beunruhigende Ruhe. Gerade im verklärten Kalkühl der Songaufbauten wirken manch minimalistische Riffs fast brachialer als es unkontrollierte Raserei ausdrücken könnte. Der immer mitschwingende Unterton ist beklemmend und äußerst intensiv.

In dieser verstörenden Schönheit ist “Wounds” ein fantastisches Stück finsterer Klangkunst. Mit reduzierter, wohl überlegter Instrumentalisierung und einer betörenden Stimme bezirzen FVNERALS und erschaffen eine ergreifende Klangwelt. Ein Album, um sich darin zu verlieren. Ganz große Empfehlung!

7 Lieder / 39:43 Min. / Golden Antenna Records / 2016

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