Départe – Failure, Subside

Angefangen hat alles 2014. Für die Headliner-Tour von Ulcerate durch Europa, stand auf einmal eine unbekannte Band im sonst ziemlich potenten Line-Up. Erst kurz vor der Beginn der Tour, veröffentlichten DÉPARTE ihr erstes Lebenszeichen auf Bandcamp. Drei Tracks, schlicht durchnummeriert. Doch diese drei Lieder ließen mich bereits aufhorchen, als Opener auf der Show in Köln konnte mich die Band aus Australien dann schon gänzlich überzeugen. Und im weiteren Verlauf der Tour dann scheinbar auch die Leute von Seasons Of Mist, wo schlussendlich zwei Jahre später, im Oktober 2016, das erste Album veröffentlicht wurde.

Die Erwartungen waren nach dem ersten Demo und der langen Wartezeit verdammt hoch. Post-Black Metal trifft auf Post-Death Metal. Erlaubt sich obskure Riffs und weite Klangteppiche. Verfügt über furioses Geballer, aber auch den Mut zur schleppenden Langsamkeit. Eine Mischung, die Fans von Ulcerate, Beyond Terror, Beyond Grace oder Inter Arma bereits verzücken sollten. Dazu trauen sich aber DÉPARTE noch einen Schritt weiter und garnieren ihre Songs gelegentlich, aber stehts songdienlich, mit bezauberndem Klargesang.

Kurz später sollten auch Ulcerate ihr neuestes Album “Shrines Of Paralysis” rausbringen. Eine harte Konkurrenz. Und vorschnell sollte ich urteilen: Die Messlatte für die tasmanischen Begründer des Post-Death Metals wurde mit “Failure, Subside” verdammt hoch gelegt. Doch im Nachhinein muss ich das relativieren. Beide Alben funktionieren im gänzlich unterschiedlichen Kontext. Zu Ulcerate an anderer Stelle mehr. Zu “Failure, Subside” kann ich aber vorweg nehmen: Es ist ein großartiges Album.

Vornehmlich lebt dieses Debüt durch sein ambivalentes Spiel mit Dynamik und Tempo. Immer wieder durchziehen ruhige Momente die Songs, durch Intro und Interlude “Mara’s Choir” das ganze Album. Atmosphärische, gezogene Momente, teilweise alleinig durch die Gitarre getragen, untermalen die trübe, nihilistische Grundstimmung des Albums. An vielen Stellen schleppen sich die Lieder zäh und mürbend vorwärts, illustrieren die Verzweiflung hinter der Musik.

Teilweise wird die monotone, hypnotische Gitarrenarbeit durch wechselnde Rhythmik variiert und geschickt voran getrieben. Häufig durch unglaublich schnelle Doublebass, die Klangstimmung wechselt rapide von fatalistischer Ergebenheit in verzweifelte Wut. Gestützt durch den unglaublich variablen Gesang von Sam, der in allen Akzenten einen hervorragenden Job abliefert.

Auch die klaren Gesangspassagen flechten ein Klangbild in dieser düsteren Klangwelt. Noch kraftvoll, voller Hoffnung in “Ashes In Bloom”, schon deutlich resignierter und fragiler in “Wither”. Zum letzten Aufbegehren zwischen Verzweiflung und schwindendem Lichtblick im Übersong “Vessel”, der bereits zuvor auf dem Demo in etwas roherer Form zu hören war.

Mit “Ruins” ist schlussendlich alle Hoffnung von “Failure, Subside” verschwunden. Wut, Hass, Aggression dominieren den Gesang, die Harmonien sind nur noch mürbende Wände, das Schlagzeug will den letzten Funken Hoffnung einfach wegballern. Die Andeutungen an Post-Rock verschwinden zusehends, die Brutalität hat gesiegt.

Nach fast einer Stunde ist eine stetige Reise zu ende. Ein beklemmender Trip durch Verzweiflung, Hoffnung, Wut, Angst, Hass, Träume und bittere Ernüchterung. Gelegentlich mit wiederkehrenden Bausteinen, die aber durchaus nicht nach Ideenlosigkeit klingen, sondern einen roten Faden durch “Failure, Subside” ziehen und die teilweise überraschenden Wendungen hervorragend zusammenführen.

Teile dieser Reise packen den Hörer “schlicht”. Andere Teile erschaffen Katharsis. Wieder andere erzeugen eine unglaubliche Gänsehaut, weil DÉPARTE extrem intensiv sind und die richtigen Akzente setzen.

Gewisse Parallelen zu Ulcerate, Beyond Terror, Beyond Grace, Neurosis oder Inter Arma bestehen sicherlich. Doch haben DÉPARTE eine noch weitere Atmosphäre, die ihr Debüt locker neben genannten Bands platziert und eine der besten Scheiben von 2016 formt. Definitiv ein Highlight des just verblichenen Jahres und ein extrem wichtiges Album im noch jungen Genre Post-Death Metal.

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