Ulcerate – Shrines Of Paralysis

Ein neues Album von ULCERATE kann man eigentlich nur voller Spannung erwarten. Seit “Everything Is Fire” hat sich die Band stetig weiterentwickelt, Ideen und Ansätze von Gorguts, und vielleicht im weitesten Sinne auch Demilich, genommen, mit der Atmosphäre von Neurosis verschmolzen und zu einem sehr eigenen Stil ausgebaut. Von der Innovation allein, durfte man hier die Entstehung des neuen Genres Post-Death Metal sehen. Und so markiert spätestens “The Destroyers Of All” eines der wichtigesten Alben der letzen 10 bis 15 Jahre. Nicht zuletzt ist es wegen der Mischung aus verquerter Sperrigkeit, allumfassender Atmosphäre und unbeschreiblicher Brutalität eines meiner absoluten Lieblingsalben.

Mit “Vermis” ging ULCERATE einen Schritt zurück. Weiterhin vorwärtsdenkende Ideen, bedrückende Grundstimmung, aber auch wieder mehr von der Brachialität eines “Everything Is Fire” – oder den Werken zuvor. An sich ein konsequenter Schritt, logisch und kohärent. Ein gutes Album, was dennoch nicht ganz an “The Destroyers Of All” rütteln konnte. Nun folgte endlich “Shrines Of Paralysis” und die Erwartungen waren groß; quo vadis ULCERATE?

Kurzum kann man einfach nur sagen: “Shrines Of Paralysis” ist der eigentliche Nachfolger von “The Destroyers Of All”. Rückbesinnung auf ältere Werke gibt es kaum noch, mehr wird der 2011 eingeschlagene Weg in aller Konsequenz fortgesetzt und um frische Ideen erweitert. Ohne dabei allerdings an Brutalität zu verlieren. Im Gegenteil, so manch gedrosselter, reduzierter Moment ist noch gewaltiger denn je zuvor!

Das Paradebeispiel für eine Weiterentwicklung und gleichzeitige Reduktion auf das Minimalste, ist wohl das eher Zwischenspiel-mäßige “Bow To Spite”. Klangwände, nur knarziger Bass und Schlagzeug, zäh, schleppend. Und damit so unglaublich bösartig, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen. Knapp zwei Minuten lang und dennoch so intensiv, so exemplarisch für die Weiterentwicklung ULCERATEs.

Weniger plakativ, wenngleich nicht minder intensiv, finden sich immer wieder Momente der Drosselung, gelegentlich sogar reduzierter Konzentration auf “Shrines Of Paralysis”. Immer wieder wird mit der Dynamik gespielt, erlaubt den Songs ruhigere Momente, stellenweise verspielt, granular mit Funken der Hoffnung durchzogen. Meist jedoch nur, um kurze Zeit später wieder mit gesteigerter Brachialität voranzuschreiten. Häufig durch geringfügige Variation bereits angedeuteter Themen, aber mindestens so oft durch wahnwitzige Wendungen, die das Album unberechenbar und spannend halten.

Immer wieder erkennt man die typische Handschrift von ULCERATE. Die Gitarrenarbeit ist mindestens so unverkennbar, wie das extrem gute Drumming. Doch gleichzeitig hat die Band ihr Harmonieverständnis abermals erweitert, baut fließend Melodien in die abstrakten Riffs ein und weitet die Klangwände geschickt aus. Das Wechselspiel mit Tempo und Dynamik erwähnte ich ja bereits.

So finden sich keine schlechten Lieder auf “Shrines Of Paralysis”, sondern eine grandiose Idee folgt der nächsten. Gleichzeitig bleibt die fatalistische, bitterböse Atmosphäre konsequent auf hohem Niveau. Und die Palette der Klangfarben wurde nach “The Destroyers Of All” um die richtigen Nuancen so erweitert, dass dieses Album wohl schlicht das beste Werk ULCERATEs bisher ist.

Entsprechend muss ich wohl nicht weiter erwähnen, dass “Shrines Of Paralysis” somit eines der wichtigstes Alben 2016 war. Alleine für die Entwicklung des jungen Genres Post-Death Metal.  Doch auch übergreifend beweisen ULCERATE erneut, dass sie eine innovative, anspruchsvolle und intensive Macht sind.

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