Void Omnia – Dying Light

Es gab wohl kaum ein Album, das ich 2016 so oft gehört habe, wie “Dying Light”. Mehrfach die Woche landete das Debüt der kalifornischen VOID OMNIA in meinem Player. Sehr häufig einfach nebenbei, aber auch zyklisch für den intensiven Hörgenuss. Das Album hat schlichtweg auf so vielen Ebenen so viel Qualität, dass es definitiv zu den besten Veröffentlichungen des vergangenen Jahres gehört.

Allein die Harmonieführungen sind so unglaublich grandios, in Repetition, Variation und polyphoner Schichtung, dass ich jedes Mal neue Details entdecke. Sowohl an den Gitarren, wie auch am geschickt fungierenden Bass, der meist solides Fundament legt, aber an den geeigneten Stellen auch schon mal coole Melodieläufe beisteuert. Dagegen steht an anderen Stellen die bewusste Reduktion auf das Nötigste. Minimalistische Riffs erzeugen dann die intensivste Atmosphäre. Meist im skandinavischem Kontext, nahe an den Black Metal Holotypen. Aber nicht zuletzt im abschließenden “Ad Infinitum” auch rotzig dem Punkrock entliehen. Dazu hin und wieder ein paar extrem gute Soli und Lead-Gitarren. Und schon erinnert mich das gesamte Harmonieverständnis sehr stark an Dissection zur “Storm of the Light’s Bane”. Einfach grandios!

Doch darf man VOID OMNIA keineswegs als Kopie, Klon oder Rip-Off ansehen! Die musikalische Verwurzlung ist deutlicher im Black Metal, ohne Rezitate aus dem Death Metal. Neoklassische Epik wird man auf “Dying Light” auch kaum finden. Dennoch ist der Songfluss ähnlich stimmig, flüssig und mit extrem gelungenen Auflösungen zwischen den einzelnen musikalischen Themen versehen.

Der Gesang stellt dann ein weiteres Highlight für “Dying Light” dar. Hauptsächlich mit dem prototypischen Schreien, die wahrlich garstig wirken, garniert mit gelegentlichen Growls, die das Salz in der Suppe sind. Doch gibt es auch “Emptied Heartless”, wo mit einem Vododer (?) experimentiert und somit eine komplett andere Fassette an den Song getragen wird.

Melodisch und doch immer sehr kalt, haben VOID OMNIA ein sehr griffiges Album erschaffen. Cheesy wird es der verspielten Gitarren zum Trotz allerdings nie. Im Gegenteil, durch polyphone Arrangements, spannende Wechsel und logische Entwicklungen, ist das Album vielschichtig und hat intensiven Langzeitunterhaltungswert. Selbst nach einem halben Jahr Dauerbeschallung finde ich immer wieder Momente, die mir zuvor entgangen sind. Und kann mich dennoch immer wieder in den bereits bekannten Melodien verlieren. Und durch das extrem hohe Tempo ist “Dying Light” alleine schon von der gefälligen Massentauglichkeit entfernt.

Lediglich kleine Momente trüben den Genuss geringfügig. Beispielsweise “Of Time”, das sich etwas zu viel Zeit lässt, um mal endlich auf den Punkt zu kommen. Und auch harmonisch etwas sehr mit den genre-typischen Klischees spielt. Doch gerade hier werden Fans von Ultha, Sun Worship und Konsorten noch am ehesten Zugang finden.

Doch wenn man über diesen kleinen, pointierten Moment der Länge hinweg ist, bietet “Dying Light” fast ausschließlich Hits. Bereits genannte Punk-Nummer “Ad Infinitum” ist genau so genial, wie das eröffnende “Remnance Of A Ghost”. “Fallowed Silence”, “Singularity” oder “Emptied Heartless” stehen qualitativ in nichts nach. Ein wunderschönes Album, kalt, melodisch und musikalisch extrem gut ausgearbeitet. Definitiv ein großes Highlight aus 2016.

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