Review: Ashbringer - Yūgen

Melancholisch, verspielt, verträumt. Post-Black Metal mit viel Emotion, tiefer Wut und doch mit einem Funken Hoffnung. Dazu ein sehr eigenständiger Charakter. Nach etwas Eingewöhnung liefern ASHBRINGER mit ihrem zweiten Album ein echt gutes Stück akustischen Eskapismus’.

An manchen Stellen sind ASHBRINGER nicht weit von Genre-Kollegen entfernt: Schnelle Blastbeats, frostige Riffs und garstige Schreie. Doch ist dies lediglich das grobe Fundament von “Yūgen”. Darum ranken sich viele eigene Ansätze. Beginnend im eher organischen Schlagzeug-Sound hin zu einigen eher untypischen Rhythmen und Spielereien auf den Toms. Gleichermaßen bekommen die Gitarren ein breites Klangspektrum spendiert. Von klassischer Akustikgitarre hin zu voller Verzerrung, aber auch eher crunchy Sounds erlauben ein breites Tonbild. Dazu dezent gesetzte Synthies, gar Mandolinen und sogar Oboen erweitern die Palette zusätzlich.

Das führt dazu, dass manche Passagen leicht an Yann Tiersen erinnern. Beispielsweise der Mandolinen-Teil aus “Oceans Apart”, das anfängliche Crescendo aus “Celestial Infancy”. Die Keyboards aus “Omen” hinterlassen hingegen einen Beigeschmack von Woods Of Ypres. Wenn man so will, unterstreicht der Einsatz von Klargesang auch an anderen Stellen diesen Eindruck, wenngleich ASHBRINGER aber wesentlich komplexer und epischer an ihre Songs gehen.

Dennoch sind die klar gesungenen Momente wichtige Elemente in “Oceans Apart”, “Lakeside Meditation” oder “Celestial Infancy”, die den Lieder einen interessante Wendung oder logische Weiterentwicklung verpassen. Der Songfluss auf “Yūgen” ist insgesamt immer sehr stimmig, egal ob ein Song nur gut fünf Minuten braucht, oder sich über 10 Minuten erstreckt. Dafür sind ist die Instrumentalisierung zu ausgeklügelt und stimmig. Häufig werden Riffs polyphon gestapelt, teilweise zwei akustische und zwei elektrische Gitarren. Dazu diverse Keyboard-Teppiche. Als Kontrast existieren gleichzeitig fast reduzierte Shoegaze und Post-Rock-Passagen, die aber ebenso logisch in die Tracks einfließen.

Wenn man unbedingt etwas zum kritisieren sucht, könnte man anmerken, dass die beiden Füller vielleicht rausgekürzt werden können. Das Instrumentale “Omen” und der Titeltrack, der komplett auf männlichen Gesang, sowohl klar wie gekeift, verzichtet, sondern nur die fragile Frauenstimme von Elizabeth Redding verwendet. Doch selbst wenn diese Songs sich etwas von den restlichen Nummern unterscheiden, passen sie stimmig in die vielschichtige Atmosphäre von “Yūgen”.

ASHBRINGER erschaffen eine fast einstündige Weltflucht. Ungezügelte Wut trifft auf Verträumtheit. Melancholie trifft auf Verspieltheit. Auch wenn ich ein paar Anläufe brauchte, mag ich “Yūgen” mittlerweile sehr. Gerade, weil es etwas anders ist. Und ASHBRINGER ein sehr eigenes Profil haben.